Erbrecht

Deutschland: Was zu beachten ist

06.12.2008 | 12:36 |

Claudia Knauer

Testament, notarielle Beglaubigung, Pflichtteil, Erbschaftssteuer, Schenkung - im Fall einer Erbschaft und auch schon vorher tut sich ein juristischer Dschungel auf - jedenfalls in Deutschland. Sehr viel unkomplizierter und pragmatischer behandeln die Dänen das Thema. "Unter Nachbarn" vergleicht die juristischen Ausgangslagen.

Mehr als 800.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland - neben der Trauer um den Verwandten oder Freund eint die Hinterbliebenen in der Regel der Wunsch, den letzten Willen des Verstorbenen zu achten. Darin regelt er seinen Nachlass. Jedes Jahr erben  die Deutschen Vermögen im Wert von fast 200 Milliarden Euro. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das Vermögen der Deutschen recht konstant, von größeren Krisen mit Wertverlusten blieben sie verschont. So besitzen die 38 Millionen deutschen Haushalte Geld im Wert von 4,5 Billionen Euro laut Bundesbank, das Sachvermögen schätzt sie auf 4,8 Billionen Euro.

Die Gesetze zum Erben bestehen fast ungeändert seit über einhundert Jahren und sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) unter Erbrecht in 463 Paragraphen festgeschrieben. Wiederholt wird allerdings über die Erbschaftssteuer diskutiert. Ab Januar 2009 wird es eine Neuerung geben.

Hans-Ulrich Henningsen ist Rechtsanwalt und Notar in Niebüll und befasst sich in seiner Kanzlei täglich mit dem Erben: "Meist läuft eine Erbschaft problemlos ab. Zwist kann es dann geben, wenn zum Beispiel ein Haus an mehrere Empfänger geht und einer der Erben seinen Teil in bare Münze umwandeln möchte." Dann stehen regelmäßig im Anzeigenteil der Lokalblätter Häuser zum Verkauf mit dem Zusatz: "Versteigerung erfolgt zur Aufhebung der Gemeinschaft". Diese Gemeinschaft sind häufig die uneinigen Erben.

Wer seinen Nachlass regeln möchte hat fünf Möglichkeiten: Unternimmt er nichts, so wird sein Erbe gemäß des Erbrechts im BGB unter seinen engsten Angehörigen verteilt. Sein Ehepartner erhält eine Hälfte, die andere Hälfte bekommen zu gleichen Teilen seine leiblichen Kinder. Leben diese nicht mehr und sind auch keine anderen Verwandten aufzufinden, fällt das Erbe an das Bundesland, in dem die Person zuletzt gemeldet war.

Die zweite Möglichkeit ist das handschriftliche Testament. Dieses ist ausschließlich selbst per Hand ge- und vor allem unterschrieben. Ort und Datum gehören ebenso darauf. Verfasst nämlich jemand mehrere Testamente, gilt das zuletzt geschriebene. Dieses kann man sich unters Kopfkissen legen - es ist ebenso gültig, wie eines, das beim Notar aufgenommen wurde.

Ein dritter Weg ist, das handschriftliche Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen. Das Amtsgericht informiert das Geburtsstandesamt des Testamentsverfassers und dieses benachrichtigt im Todesfall alle Erben. "Dieser Weg ist in bestimmten Fällen sicherer, als Möglichkeit zwei. Der Verstorbene vererbt z. B. alles dem Roten Kreuz. Er hält dies nur handschriftlich fest, wie im zweiten Fall. Findet ein Familienangehöriger das Testament unterm Kopfkissen, könnte er es verschwinden lassen und das Rote Kreuz geht leer aus", so Henningsen.

Das notarielle Testament ist die vierte Möglichkeit, sein Erbe aufzuteilen. Wer so vererben möchte, geht zum Notar. Dieser hört sich den letzten Willen der Person an, berät sie und verfasst das Testament. Anschließend liest er es ihr vor. Gültig wird das Testament mit der eigenen Unterschrift und derjenigen des Notars. "Etwa drei Prozent der Verstorbenen haben ihr Testament beim Notar beurkunden lassen", sagte Henningsen.

Neben der Beratung hat das notarielle Testament noch einen Vorteil: Es ist günstiger, als das handschriftliche. Das verwundert - kostet doch der Zettel unterm Kissen keinen Cent, das notarielle Testament schon. Dieses ersetzt den sonst erforderlichen Erbschein. Die Kosten dafür sind abhängig vom Erbe - bei 50.000 Euro kann man so rund 100 Euro sparen.

Als fünfte Variante kann anstelle des Testaments eine Person beim Notar auch einen Erbvertrag mit seinen Erben schließen. Letztere erhalten so eine Anwartschaft auf das Erbe und sind sicher, einen bestimmten Teil des Erbes zu erhalten.

Hat sich jemand mit seiner Familie verkracht und möchte sie enterben, ist dies nur eingeschränkt möglich: Ein Pflichtteil steht Kindern und dem Ehepartner zu. Dieser ist halb so hoch wie der gesetzliche Erbanteil wäre. Wird geerbt, will auch das Finanzamt seinen Teil davon. "In den meisten Fällen wird hier ein Nachlass vererbt, der nicht so hoch an Wert ist, dass die Empfänger dafür Steuern zahlen müssen", weiß Henningsen aus seiner Kanzlei zu berichten. Es handelt sich dabei um Häuser, Bargeld oder Sparkonten. Das Finanzamt berechnet den Wert der Hinterlassenschaft. Dabei wird nur der Nettowert als Basis genommen.

Chancen, beim Erben so wenig Steuern wie möglich zu bezahlen, sind: alle zehn Jahre einen Teil seines Vermögens zu verschenken - für diesen Zeitraum gilt der steuerliche Freibetrag wie beim Erben. Genauso kann jemand eine Person adoptieren, um ihr steuerliche Vorteile zu ermöglichen.

Wer mehr über das Erben wissen möchte, kann zur einschlägigen Literatur greifen, z. B. "Finanztest - Vererben und Erben" von Beate Backhaus und Eva Marie von Münch, "Testament und Erbrecht" von Walther Friedrich oder "Testamente: einfach und korrekt." von Axel Pohlmann. Individueller und weniger zeitaufwendig, dafür etwas teurer, ist die Beratung beim Rechtsanwalt oder Notar.


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