Aus: JydskeVestkysten

Krieg und Liebe in der historischen Quellenforschung

28.11.2013 | 14:10 |

Inge Rogat Møller

Jahrbuch: „Historisk Samfund for Sønderjylland“ gibt seit 1889 alle Jahre wieder die Nordschleswigschen Jahrbücher (Sønderjyske Årbøger) heraus. Die Ausgabe dieses Jahres beleuchtet die großen Kriege – und ihre Folgen. Das aktuelle Jahrbuch wurde am vergangenen Montag im „Wiedervereinigungs- und Grenzmuseum“ („Genforenings- og Grænsemuseet“) in Christiansfeld vorgestellt.

Der Vorsitzende von „Historisk Samfund for Sønderjylland“, Hans Schultz Hansen, freute sich am Montag darüber, eine neue Ausgabe von „Sønderjyske Årbøger“ präsentieren zu können. Seit 1889 erscheinen die Jahrbücher, die sich mit der Geschichte des Landesteils Nordschleswig befassen. Foto: Jacob Schultz

Nordschleswig: Ein Revisor, ein pensionierter Oberarzt und ein Agronom tragen in Zusammenarbeit mit Historikern zu den Nordschleswigschen Jahrbüchern 2013 bei.

Auch in diesem Jahr prägen erneut acht, äußerst unterschiedliche Artikel das Jahrbuch, das der Vorsitzende von „Historisk Samfund for Sønderjylland“, Hans Schultz Hansen, und die Autoren der Beiträge am vergangenen Montag im „Genforenings- og Grænsemuseet“ in Christiansfeld präsentierten.

 

„Genau die richtige Kulisse für diesen Anlass“, fand Hans Schultz Hansen, während er auf die Titelseite des Jahrbuches wies, das ein Gemälde von König Christian X. zeigt, wie dieser nach der Volksabstimmung im Jahr 1920 über die Grenze ritt.

 

Das Jahr 1864 und die Wiedervereinigung

 

Der König spielt zugleich eine der Hauptrollen in dem Jahrbuch, das Liebe und Krieg beleuchtet.  Der Historiker Knud J. V. Jespersen beschäftigt sich in seinem Beitrag mit Christian X. und Nordschleswig. Knud J. V. Jespersen war bei der Buchvorstellung zwar nicht anwesend – dafür aber Anton Marckmann: Der 88-jährige pensionierte Oberarzt aus Sonderburg hat sich mit den Soldaten im Krieg von 1864 beschäftigt.

 

„Der Krieg ist mittlerweile wirklich gut beschrieben worden, dennoch habe ich einen weißen Fleck entdeckt: Wie sah es damals mit der  Verpflegung, der Gesundheit und den Krankheiten aus?“, hatte sich der frühere Chirurg gefragt.

Inzwischen kann er sagen, dass die Infanteristen damals durchaus gesunde Kost bekamen.

„Die Verpflegung war also nicht der Grund für die Niederlage im Jahr 1864“, wie er hinzufügte. Überhaupt sind die Erinnerungen an den Krieg 1864 und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914  zwei Themen, die in dem Jahrbuch ausführlich behandelt werden. Jens Skrumsager Skau hat über seinen Onkel mütterlicherseits  geschrieben: Bezug nehmend auf die 1.000 Briefe, die Sigurd Kloppenborg Skrumsager von der Front schrieb, kann er die Gefühle und Gedanken seines Onkels während des Krieges nachvollziehen.

 

„Ein Mysterium hat mich zum Schreiben veranlasst. Hieß es doch zunächst, Sigurd sei an der Front tödlich verletzt worden. Dieses Mysterium ist inzwischen geklärt: Er hat an einer lebensbedrohlichen Lungenerkrankung gelitten“, erzählte Jens Skrumsager Skau.

Mikkel Leth Jespersen hat eine Liebesgeschichte entdeckt, die sich zu den Glanzzeiten der Seefahrt in Apenrade zugetragen hat – eine Geschichte, die auf den Museumsinspektor einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat:

„Diese Geschichte hat mich zutiefst fasziniert“, wie er gestand.

Die „Sønderjyske Årboger“ sind in einer Auflage von 2.800 Exemplaren gedruckt worden und werden an die 2.500 Mitglieder von „Historisk Samfund for Sønderjylland“ kostenlos vergeben. Die Jahrbücher sind zudem für 270 Kronen im Buchhandel erhältlich.

 

Die Artikel und ihre Autoren:

 

Thomas Clausen: Der Kampf um die Abschaffung des Mühlenbanns im Herzogtum Schleswig von 1836 bis 1852;

Claus Pørksen: Der Kampf um die Nordseeinseln im Jahr 1864;

Anton Marckmann: Der dänische Fußsoldat im Jahr 1864;

Mikkel Leth Jespersen: Über den tüchtigen Kapitän und das Interessen des Schiffes: Ein Liebesdrama aus der Glanzzeit der Apenrader Seefahrt;

Jens Skrumsager Skau: Sigurd Kloppenborg Skrumsagers Erlebnisse und Gedanken während des Ersten Weltkrieges;

Knud J. V. Jespersen: Christian X. und  Nordschleswig;

Hans Schultz Hansen: Zwei Morde und ein Attentat – drei Episoden aus der nordschleswigschen Nachkriegszeit 1945-1948;

Kirsten Lylloff: Die Konfiszierung deutschen Eigentums in Nordschleswig nach dem Zweiten Weltkrieg


Seite drucken