Pflegeheime

Das Pflegeheim als Bürgertreff

30.11.2008 | 12:44 |

shz

Tage ohne Ereignisse, Personal ohne Zeit - Eindrücke, die mancher Besucher aus einem Altenheim mitnimmt. Das muss nicht so sein. „Unter Nachbarn“ stellt zwei Heime dies- und jenseits der deutsch-dänischen Grenze vor - hier das Pflegeheim Rønshave.

Eine intensive Betreuung bieten die Sozial- und Gesundheitshelferinnen alten Menschen im Pflegeheim Rønshave. Foto: Iwersen

Die Kommune Apenrade betreibt und besitzt das Pflegeheim, das auch als Zentrum für die Alten in der Gegend dient. Sina Nielsen sitzt zusammen mit zwei dementen Bewohnern in der Küche. In  ihrem Abschnitt wohnen acht Bewohner, die meisten sind dement. Es gibt eine Gemeinschaftsküche mit Esstisch, gegenüber davon, nur durch einige Regale abgetrennt, liegt eine offene Fernsehstube mit einem großen Flachbildschirm und gemütlichen Sofas und Sesseln. In einer Ecke der Küchenabteilung steht ein Schreibtisch mit Telefon, Papier und Computer. Der Flur führt zum großen, lichtdurchfluteten Mittelgang der Einrichtung.

Ali Johannsen nimmt Sina Nielsen an die Hand und öffnet die Tür, um ihre Wohnung zu zeigen. Man betritt eine vier Quadratmeter große Teeküche. Rechts ein Kühlschrank, eine Spüle, eine Kaffeemaschine und ein Wasserkocher, die gesunden Bewohner haben auch eine Kochplatte. Weiter geht es in den Aufenthaltsraum, wo Ali ihre eigenen Möbel hat. Ein Sofa samt Tisch, eine Kommode und viele Bilder in hübschen Rahmen– unter anderem ein Mädchenbild ihrer eigenen Mutter. Unter den neueren Bildern findet sich eines von Ali mit Prinzessin Mary, die den Anbau im Dezember 2004 einweihte und Ali in ihrer Wohnung besuchte. Daran erinnert sich Ali noch gut.  

"Zeit zu reden bleibt meistens"

"Wir haben viel zu tun, aber Zeit zu reden bleibt meistens", sagt Sina Nielsen und schenkt Ali Johannsen ein Glas Saft ein. Sina war 18 Jahre lang Heimhelferin in Bau bevor sie vor acht Jahren als Sozial- und Gesundheitshelferin im Pflegeheim Rønshave eingestellt wurde. Im Pflegezentrum befinden sich auch Räumlichkeiten für eines der  Tageszentren der Kommune, dorthin kommen ein oder mehrere Male die Bürger. Hier werden Gymnastik, Spiel, Vorträge, Hauswirtschaft und Handarbeit angeboten. In der Cafeteria wird das Tagesgericht angeboten, jenes, das auch die Heimbewohner essen. Die Cafeteria liegt in der Verlängerung des großen Mittelgangs, der alle Abteilungen miteinander verbindet. Die Bewohner, die Lust haben und rüstig genug sind, nehmen auch an den Angeboten teil und mischen sich unter die Gäste. So können sie auch Spiele spielen, es sich gemütlich machen und mit den Angestellten oder untereinander plaudern.

Sina Nielsen und ihre Kollegen helfen den Bewohnern mit dem Waschen und der Toilette, machen ihnen die Haare, reinigen ihre Zimmer, machen die Wäsche. Häufig in Zusammenarbeit mit den Bewohnern. Die Wände sind vom Boden bis zur Decke verglast, so dass man über die Felder blicken kann. "Hier ist niemand eingeschlossen. Der Zaun ist da, weil auf der anderen Seite ein sehr steiler Abhang zum Fahrradweg liegt", erklärt Sina Nielsen und erzählt, dass die Bewohner, die Probleme haben, wieder nach Hause zu finden, einen Sensor am Handgelenk tragen, der Alarm schlägt, wenn sie das Gebäude durch den Haupteingang verlassen.  "Wir haben ein Auge darauf, wie lange sie wegbleiben. Wird es uns zu lange, gehen wir hinaus und sehen nach ihnen", sagt sie und ergänzt: "Einen Großteil unserer Zeit verbringen wir damit, mit den Bewohnern zu schnacken und Tägliches mit ihnen zu machen." Sie geht auch mit, wenn einer der Bewohner ins Einkaufszentrum will. Gäste dürfen in den Wohnungen kochen oder die Gemeinschaftsküche benutzen. Kommen sie von weit her, können sie auch ein Gästezimmer mieten und an den Mahlzeiten  teilnehmen.

"Wir übernehmen Verantwortung. Die wird hier verteilt"

Krankenhelferin Hanne Christensen, seit 28 Jahren im Pflegeheim, nimmt sich Zeit, am Küchentisch zu sitzen. Sie hat das Fotoalbum der Abteilung auf dem Tisch ausgebreitet und zeigt die Bilder vom Besuch des Kronprinzenpaares in Sonderburg im Sommer 2004. Auf die Frage, welche Verantwortung die beiden "Helferinnen" haben, antwortet Hanne Christensen: "Wir übernehmen Verantwortung. Die wird hier verteilt." Treu folgt Ali Johannsen  Sina Nielsen durch das Gebäude. Jetzt zeigen sie ein großes Zimmer für die Dementen. Hier gibt es mehrere Sitzecken, jede Menge alte Bücher und andere alte Sachen. Wir besuchen auch das Altenzentrum, in dem Hanne Rasmussen, Sozial- und Gesundheitsassistentin, eine große Werkstatt hat. Von außerhalb kommen ungefährt 25 Benutzer, dazu die Bewohner des Pflegeheimes. Gerade ist die 88-jährige Marie Jessen dabei, Weihnachtsschmuck zu basteln. Sie kommt montags, mittwochs und freitags. "Ich wohne alleine und habe es gern, ein wenig rauszukommen und bin auch gerne kreativ", sagt sie.
In der großen Cafeteria sitzen die Leute in kleinen Gruppen und plaudern. Hier gibt es jeden Freitag Bingo.  Auf dem Weg zum Fitnessraum liegt der Friseursalon, der jeden Dienstag besetzt ist.

Susanne Dalgaard Hansen müht sich im Fitnessraum auf einem Fahrrad ab. Sie kommt zwei Mal in der Woche, zur Reha nach einem Beinbruch. Früher wurde das im Krankenhaus gemacht, heutzutage benutzen die Therapeuten die Möglichkeiten, die ihnen das Pflegezentrum für Jung und Alt bietet. Ejnar Sørensen kommt in seinem Rollstuhl angefahren. Er kam vor drei Jahren ins Pflegeheim, als er es allein zu Hause nicht mehr schaffte. "Ich werde hier rundum versorgt", sagt er, "hier gibt es mehr Leute zum Reden, als ich überhaupt Lust dazu habe".  Wenn er keine Lust auf Gemeinschaft hat, rollt er in seine Wohnung. "Ich vermisse mein Zuhause nicht. Meine Tochter kommt alle vierzehn Tage und meine Enkel kommen auch ab und zu", sagt Ejnar Sørensen.

Pflegeheim Rønshave

Die Preise:
Miete + Anteil am Gemeinschaftsraum – insgesamt 56qm: 3229,- Kr.
Heizkosten, pauschal     320,- Kr.
Wasser, pauschal     120,- Kr.
Strom, pauschal     260,- Kr.
Verpflegung, inkl. Diäten, Getränken und Obst:     2704,- Kr.
Waschen:     406,- Kr.
Reinigungsmittel:     128,- Kr.
Toilettenartikel:     126,- Kr.

Insgesamt:     7293,- Kr.

Man kann selbst entscheiden, ob man Wasch- und Toilettenartikel selber oder über das Pflegeheim kaufen möchte.
Hinzu kommen 12 000,- Kr. Kaution. Für Kabelfernsehen und Hausratsversicherung müssen die Bewohner selbst aufkommen. Vom Bett abgesehen, bringen die Bewohner ihre eigenen Möbel mit. Für die Kaution kann ein Kredit beantragt werden, außerdem kann Wohngeld beantragt werden. Das Wohngeld beträgt normalerweise etwa 2500,- Kr. im Monat, vorausgesetzt, man hat über die Rente hinaus keine Einnahmen oder ein größeres Vermögen.

Das Haus:
41 Betten, davon 39 Einzelzimmer und eine Wohnung. Die Zimmer haben alle Teeküchen von vier Quadratmetern, ein Zimmer hat 19,4 Quadratmer, die Wohnung knapp das Doppelte.Im Pflegeheim leben keine jungen Behinderten. Demente leben zusammen mit den anderen Bewohnern. Alle aus der Kommune Apenrade können innerhalb eines Monats einen Platz in einem Pflegeheim erhalten. Wer in ein bestimmtes Pflegeheim möchte, muss mit zwei Monaten Wartezeit rechnen.

 


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