Arbeitsleben

Auch mit 66 Jahren denkt er nicht ans Aufhören

25.05.2009 | 16:08 |

Angela Jensen

Beide sind sie Allround-Handwerker, beide sind sie bei Hausverwaltungen beschäftigt: Frode Christiansen (66) aus Apenrade und Klaus Günter Lübke (48) aus Harrislee. Beide starteten bereits nach Abschluss der siebten Schulklasse ins Arbeitsleben.

Ihre Erwerbsbiographien spiegeln exemplarisch viele Eigenheiten, die für den dänischen und den deutschen Arbeitsmarkt typisch sind. 

Die Begegnung mit Frode Christiansen ist die Begegnung mit einem langen Arbeitsleben. Der Personalraum des Krankenhauses von Apenrade ist dänisch-gemütlich eingerichtet, da lässt es sich gut und ausführlich erzählen: Nach der siebten Klasse verließ der junge Frode die Schule und heuerte nach viereinhalbjähriger Ausbildung zum Schlosser auf dänischen Handelsschiffen an. Das war eine spannende, aber auch sehr anstrengende Zeit, erinnert er sich noch gut. Nach einigen Jahren entschied er sich wieder für festen Boden unter den Füßen. Für sehr festen: Frode arbeitet nun schon seit 30 Jahren als Techniker und Schlosser im Krankenhaus in Apenrade und kann sich - wie er immer wieder betont - keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen: "Wir haben hier eine super Atmosphäre. Ich verstehe mich hervorragend mit dem Chef und meinen Kollegen".

 

Schnelles und eigenständiges Handeln sind in seinem Job immer wieder gefragt

Frode ist inzwischen 66 Jahre alt - doch sein Arbeitsvertrag wurde verlängert mit der Klausel, dass der Handwerker so lange arbeiten kann, wie er will. In Frodes Kollegenkreis ist keiner unter 50 Jahre alt. Alle besitzen jahrelange Erfahrung. Da können auch Krisensituationen locker gemeistert werden. Zu seinen Aufgaben gehören die Instandhaltung der hoch technologisierten Geräte in den Operationssälen und die Reparaturen von Maschinen und Anlagen. Aber er ist auch zur Stelle, wenn die Toiletten in den Umkleideräumen der Schwestern verstopft sind. Plötzlich klingelt das Handy: Es gibt Arbeit. Am Nachmittag wird in der gesamten Region das Wasser abgestellt - Frode muss sicherstellen, dass das Krankenhaus in der Zeit mit Wasser versorgt wird, und zwar durch spezielle mit Frischwasser gefüllte Tankwagen. Sein Chef ist heute krank. Er, Frode, trägt jetzt die volle Verantwortung. Kein Problem. Er erklärt dem Anrufer gelassen und geduldig das "Frischwasser-Prozedere".

Schnelles und eigenständiges Handeln sind in seinem Job immer wieder gefragt. "Ich schätze diese Eigenständigkeit sehr. Das ist nicht in allen Krankenhäusern in Dänemark so", erklärt er. Jeden Morgen fährt Frode mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zehn Kilometer - immerhin! Das hält körperlich fit. Und die vielen Weiterbildungs-Angebote von Arbeitgeber und Gewerkschaft trainieren zusätzlich seinen Geist, sagt er. So fühlt er sich mit seinen 66 Jahren für den Arbeitsalltag gut gerüstet. Und auch seiner Ehefrau scheint es zu gefallen. Frode schmunzelt: "Sie möchte lieber einen ausgeglichenen Mann, der arbeitet, als einen, der sich zu Hause langweilt und schlecht gelaunt ist".

Wir tauchen ab in die unterirdischen Gänge des Krankenhauses. Hier wird einmal mehr deutlich, wie sehr sich Frode mit seinem Arbeitsplatz identifiziert. Frode möchte uns alles zeigen. Die Maschinen-, Ventilations- und Kühlanlagenräume sind modern, sauber und leise. Besonders stolz ist Frode auf den hauseigenen riesigen Stromgenerator, der das Krankenhaus und einen Teil der Stadt im Notfall mit Strom versorgt. Im nächsten Gang: der Fitnessraum fürs Personal. So früh am Morgen strampelt und schwitzt hier noch keiner, doch das Angebot wird häufig genutzt, versichert der Gastgeber. Im unterirdischen Labyrinth des Krankenhauses erzählt Frode noch vom tollen Fest zum 25-jährigen Dienstjubiläum und der gut funktionierenden Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern in Flensburg. "Bei uns arbeiten viele deutsche Ärzte und Schwestern - das klappt gut. Ich würde mir sogar eine noch intensivere Zusammenarbeit wünschen - davon würde die gesamte Region profitieren".


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