Aus: JydskeVestkysten

Frank und Erik lassen alle Fünfe gerade sein

11.09.2014 | 10:02 |

Mette Thomsen

Erfolg: Das nordschleswigsche Unternehmer-Duo Frank Jørgensen Waller und Erik Thaysen stand erstmals im Rampenlicht, als es die Aktienmehrheit bei „Hjem-Is“ übernahm. Wie sich herausstellte, war es ein lukratives Geschäft für die einstmals bescheidene Investmentgesellschaft der beiden. Ihr Erfolg wiederum ist einem Fiasko geschuldet.

Erik Thaysen und Frank Jørgensen Waller sind zwar nicht befreundet, haben aber großen Respekt voreinander – und den Fähigkeiten des jeweils anderen. Beide lassen gern mal alle Fünfe gerade sein, wie sie es ausdrücken. Foto: Claus Thorsted

Es begann mit GPS-Geräten. Oder doch nicht! Eigentlich hat alles mit Telefonen seinen Anfang genommen. Damals, in den guten alten Dangaard Telecom-Zeiten, als der Vormarsch des Fleggaard-Konzerns auf dem Telefonmarkt kaum noch aufzuhalten zu sein schien. Der eine war damals Chefcontroller, der andere Einkaufschef. Als Frank Jørgensen Waller, der Mann mit dem ausgeprägten Sinn für Zahlen, einen Partner mit Gespür für den Verkauf von Technik und Abonnements brauchte, um seinen Traum von der beruflichen Selbstständigkeit verwirklichen zu können, war er sich keinen Moment  im Zweifel: Er musste Erik Thaysen für sein Projekt gewinnen!

 

Vier geschäftige Jahre

 

Heute blickt das Duo auf vier hektische Jahre zurück. Mit Zufriedenheit. Mitunter müssen sich die beiden – verständlicherweise – in die Arme kneifen, um sich davon zu überzeugen, dass das alles nicht nur ein schöner Traum vom Glück ist.

Es blieb nicht bei dem GPS-Unterfangen „Tripple Track“, das den Anfang ihrer Zusammenarbeit bildete. Das Portfolio der Investmentgesellschaft „I-RB“ umfasst heute zudem eine seeländische Bäckerei, einen Anteil an einem Handelshaus und nicht zuletzt seit dem 1. Januar 2014 die Aktienmajorität von 51 Prozent bei „Hjem-Is“. Erst mit dem Erwerb dieser blauen Autos mit der im ganzen Land bekannten Glocke des Weltgiganten „Nestlé“ erregten Waller & Thaysen in ihren ansonsten recht bescheiden anmutenden Räumlichkeiten am Møllemærsk die Aufmerksamkeit von Wirtschaftsgrößen.

„Das war für uns eine Art Durchbruch, der den Wandel vom kleinen Akteur zum großen Mitspieler markierte“, erinnert sich Frank Waller, der zugleich einräumt, dass beide viel Glück damit gehabt haben, dass sie zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen sind, als die interne Schweizer Rechnung bei „Nestlé“ auf einen Verkauf abzielte. Der Rest sei harte Arbeit gewesen.

„Nun dürfen wir über das Geschäft an sich ja nichts verraten, doch die Leute, die davon gehört haben und die Nestlé kennen, reagierten verblüfft darauf, was wir dafür hinblättern mussten“, wie Frank Waller sagt.

Er sei eigentlich davon ausgegangen, dass es einmal die Schweizer sein würden, die sich an die Nordschleswiger wenden, um den Konkurrenten „Viking-Is“ aufzukaufen, an dem Waller & Thaysen gemeinsam mit den beiden Firmengründern, den Gebrüdern Tom und Per Roth, Anteile hielten.

 

Kein guter Anfang

 

Dass der Kauf von „Hjem-Is“ sich zu einem Erfolg mauserte, ist in Wirklichkeit einem Fiasko geschuldet.  Die Vorzeichen standen nicht gut, als Frank Waller und Erik Thaysen jeweils eine halbe Million Kronen in die Übernahme von „Tripple Track“ investierten, die damals kurz vor dem Konkurs stand.

„Wir haben das Unternehmen zwar gerettet, mussten jedoch die Erfahrung machen, dass wir nicht gründlich genug aufgeräumt – und dass wir zu viel für die Übernahme bezahlt haben. Daran haben wir noch immer zu knabbern. Wir haben schlicht unsere Hausaufgaben nicht gut genug gemacht. Auch mussten wir die Erfahrung machen, dass man anders agiert, wenn es um das eigene Geld als Einsatz geht“, wie Frank Waller verrät.

 

„Als wir bei Dangaard arbeiteten, war es einfach zu sagen: Dieses Defizit muss aus der Welt! Wenn es sich aber um das eigene Kapital handelt, ist man der Auffassung, dass sich alles schon irgendwie richten wird. Es war ein Lernprozess“, wie Erik Thaysen hinzufügt.

Es auch ein teurer Lernprozess. Doch zugleich hat diese Erfahrung dazu beigetragen, dass die beiden Nordschleswiger für ihre Verhandlungen mit den Wirtschaftsgiganten aus der Schweiz bestens gewappnet waren.

„Wenn sich der Erwerb von Tripple Track mittelmäßig gestaltet hätte, wäre der Kauf von Hjem-Is nicht so gut abgelaufen. Da wir aber auf die harte Tour erfahren mussten, dass wir keine Weltmeister sind, griffen wir diesmal auf externe Hilfe zurück, um das Zahlenmaterial unter die Lupe zu nehmen. Als wir dies hinter uns hatten, merkten wir recht schnell, dass das Geschäft mit Hjem-Is hierzulande gut läuft und dass wir es mit drei Maßnahmen ankurbeln könnten“, wie Frank Waller sagt.

Ihre erste Maßnahme war die Verlegung des Hauptsitzes von Kolding nach Apenrade, wo I-RB und Viking-Is ebenfalls angesiedelt waren. Der zweite Schritt bestand darin, die Logistik in die Hände der beiden Pattburger Fuhrunternehmer H. P. Therkelsen und Claus Sørensen zu legen. Zugleich beschlossen sie, kein Geld in die Werbung für neue Produkte zu stecken.

„Dies alles hat eine Ersparnis von 13 Millionen Kronen ergeben, was dazu führte, dass wir ein Minus in Höhe von fünf Millionen Kronen in ein Plus von acht Millionen Kronen verwandeln konnten. Auch glaube ich, dass wir sogar noch ein wenig besser dastehen, da wir einen sonnenreichen Sommer hinter uns haben“, prognostiziert Frank Waller bezüglich des ersten Geschäftsberichtes.

 

Einsicht + Risiko = Erfolg

 

Durch ihre Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge, gepaart mit Risikobereitschaft, haben es die beiden Partner bislang weit gebracht. Zugleich sind sie sich durchaus dessen bewusst, dass sie es ohne Beistand kaum geschafft hätten. Beistand von jenen, die die eigentlichen „Hintermänner“ sind. Wie die Gebrüder Tom und Per Roth, die Firmengründer von „Viking-Is“, die zugleich einen 49-prozentigen Anteil an „Hjem-Is“ halten. Die Brüder zeichnen für den täglichen Betrieb verantwortlich. Zugleich war das Duo auf Investoren angewiesen, um auf jene 25 Eisfahrzeuge zu kommen, die notwendig sind, um den Wettbewerb aufnehmen zu können.

Dann wäre da noch der seeländische Bäcker Ole Gade Koldby, der früher einen einzigen Supermarkt belieferte und eine Bäckervikar-Agentur betrieb, dem jedoch das Geld für den Erwerb einer eigenen Bäckerei fehlte. Diese kaufte I-RB für ihn. Inzwischen hat Koldby fast 20 Verkaufsstellen; weitere sind geplant.

„Wir haben Glück gehabt, Partner zu finden, die für das, was sie tun, brennen. Wir wären nicht weitergekommen, wenn sie nicht den ersten Schritt unternommen hätten“, sagt Erik Thaysen. Er verrät, dass I-RB häufig in Bezug auf Investmentanfragen kontaktiert werde – und dass diese Anfragen zumeist abschlägig beschieden werden.

„Wir stehen weiteren spannenden Projekten nicht abgeneigt gegenüber, haben jedoch stets betont, dass wir nur in etwas Bestehendes investieren, in dem wir zugleich eine Perspektive sehen. In dieser Hinsicht sind wir beinhart. Alles kann auf einem Rechenblatt ganz wunderbar aussehen! Ist es nicht lanciert, ist es wie in einer Lotterie. Dann könnten wir auch genauso gut Samstag-Lotto spielen“, wie Frank Waller es ausdrückt.

Momentan setzen die beiden auf Eis, Brot und GPS-Systeme, doch da es sich bei ihrem Unternehmen um eine  Investmentgesellschaft handelt, vermögen sie heute noch nicht zu sagen, ob sie sich auch in zehn Jahren noch mit Eis, Brot und GPS befassen werden.

Wie Erik Thaysen es formuliert: „I-RB investiert in Unternehmen, möchte diese auf ein gewisses Niveau bringen, auf dem andere wiederum das Steuer übernehmen.“

Frank Waller fügt hinzu: „Für einen Appel und ein Ei verkaufen wir nichts!“

Inzwischen haben die beiden gelernt, wie man Geschäfte macht. Auch mit eigenem Kapital.

 

Die beiden „Hintermänner“

 

Frank Jørgensen Waller ist 45 Jahre, wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Callesensgade in seiner Heimatstadt Apenrade. Er kann unter anderem auf eine Karriere als Chefcontroller bei Dangaard Telecom und Lego zurückblicken sowie auf eine Position als geschäftsführender Direktor bei Teleservice International A/S und ETU Forsikring.

Erik Thaysen ist 51 Jahre, stammt aus Jordkirch und wohnt jetzt mit seiner Frau und den drei Kindern in Tondern. Er hat von 1989 bis 2009 für den Dangaard-Konzern gearbeitet, jüngst als geschäftsführender Direktor für die Aktivitäten des Unternehmens in Polen.

I-RB steht für „Intelligent Rådgivning og Bogføring“. Die beiden Partner arbeiten an einer neuen Firmenbezeichnung, hatten diesbezüglich aber noch keine Eingebung.

Ihre Gesellschaften haben das vergangene Geschäftsjahr mit einem Überschuss von insgesamt 3,7 Millionen Kronen nach Steuer abgeschlossen. Mit der Übernahme von „Hjem-Is“ gehen beide von einer Verdopplung ihres Überschusses aus. Mindestens.

Als „sleeping partner“ in einigen ihrer Gesellschaften haben Frank Waller und Erik Thaysen auch einen der drei Teilhaber des Uhren- und Schmuckkonzerns Bering Time, Michael Witt, der zu Wallers engem Freundeskreis zählt.

„Wir sind dankbar, zugleich aber auch stolz auf das, was wir alles erreicht haben – trotz allem. Man begegnet uns heute anders.“


Seite drucken