Aus: Flensborg Avis

Arm dran in Dänemark

04.09.2014 | 14:28 |

Marie Buhl

Armut: In Dänemark leben 40.000 Menschen unter der Armutsgrenze. Nordschleswig ist eine jener Regionen, die am härtesten betroffen ist. Das bekommt auch die Heilsarmee zu spüren. Hilfe am Nächsten wird daher dringend benötigt – eigentlich bei allem. Angefangen bei Lebensmitteln über Beratung bis hin zu Ausflügen.

Im Lager der Flensburger Tafel sind Waren, die in den Supermärkten nicht mehr zum Verkauf angeboten werden können. (Archivfoto: Martina Metzger)

Sonderburg/Sønderborg. Es gibt Nordschleswiger, die über die Grenze fahren, um genug zu essen zu bekommen – bei der „Flensburger Tafel“.

Nordschleswig und Lolland zählen landesweit zu jenen Regionen, in denen die meisten Armen und sozial Bedürftigen leben. Der Bedarf an Hilfe ist nicht nur groß, er ist auch ungedeckt.

„Ich kann Leute, die über die Grenze fahren, gut verstehen, denn ich bin davon überzeugt, dass sie in Dänemark nicht die Hilfe bekommen, derer sie bedürfen“, sagt Lars Lydholm, Informationschef der Heilsarmee. In den vergangenen Jahren hat die Freikirche einen zunehmenden Bedarf an Hilfe in Nordschleswig registriert und darum unter anderem ihre Station in Sonderburg wiedereröffnet, die eigentlich bereits geschlossen worden war. Gegenwärtig betreibt die Heilsarmee zwei Abteilungen, die auch ganz Nordschleswig abdecken. Sie liegen in Sonderburg und Esbjerg. Beide Abteilungen unterstützen zurzeit etwa 1.300 Einzelpersonen und Familien, unter anderem in Sachen Weihnachts- und Urlaubshilfe, Familienwerkstätten, Beratung und Ausflügen.

 

Kopfschütteln über kommunales Gebaren

 

Zurzeit leben in Dänemark 40.000 Menschen unter der Armutsgrenze. Der Rat für Sozial Bedürftige rechnet damit, dass diese Zahl im Laufe der nächsten Jahre um 10.000 steigen wird. In vielen Fällen ist die Kommunikation mit den Kommunen zusammengebrochen. Daher bedarf es Mentoren, die wiederum als Berater und Beisitzer agieren, damit den Betroffenen geholfen werden kann.

„Einige jener Fälle, in denen wir echt nur den Kopf schütteln können, stammen aus den nordschleswigschen Kommunen, wo man offenbar bei der Sachbearbeitung strenger vorgeht, als in anderen Teilen des Landes. Das, was einem in dieser Hinsicht von Betroffenen zu Ohren kommt, hört sich nicht gut an. Die Kommunen werden ihrer Verantwortung schlicht und ergreifend nicht gerecht“, stellt Lars Lydholm fest.

 

Ein Ungleichgewicht zwischen Kapazität und Bedarf

 

Die Heilsarmee zählt zu den größten Förderern, wenn es um Weihnachtshilfe in Dänemark geht. Im Vorjahr bekam sie 14.000 Bewerbungen; gerade einmal 8.000 Bürgern konnte geholfen werden. Auch in dieser Hinsicht musste die Heilsarmee eine neue Priorisierung ihrer Ressourcen vornehmen.

„Es gibt eine regelrechte Schieflage im Land, was unsere Kapazität und die Regionen angeht, in denen der Bedarf an Hilfe am größten ist. Im vergangenen Jahr zu Weihnachten mussten wir viele Mittel von Kopenhagen und Aarhus nach Nordschleswig und Lolland umleiten. Obwohl es auch andere Gegenden mit einem großen Bedarf gibt, deutet alles darauf hin, dass diese beiden Regionen noch ärmer dran sind als der Rest des Landes“, sagt Lars Lydholm.

Vor zwei Jahren schon öffnete die Station der Heilsarmee in Sonderburg erneut ihre Türen. Drei Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Das tägliche Programm in Sonderburg umfasst Veranstaltungen, Werkstätten und Beratung, und dennoch gibt es viele Menschen, denen die Mitarbeiter dort nicht helfen können.

„Der steigende Bedarf in Nordschleswig spiegelt zugleich die Konzentration an bedürftigen Bürgern und Familien in der Region wider. Wir sind uns des riesigen Bedarfs an Hilfe, der nicht gedeckt werden kann, durchaus bewusst. Daher ist es verständlich, dass diese Menschen sich andernorts nach Hilfe umsehen – beispielsweise in Flensburg“, sagt Lars Lydholm.


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