Aus: JydskeVestkysten

Reim, Rap und Ravn

25.09.2014 | 16:33 |

Mette Thomsen

Herausforderung: Schüler des Wirtschaftsgymnasiums „International Business College“ (IBC), die am Lehrgang „Jugendliche im Zentrum“ teilnehmen, wurden am Montag von dem Kopenhagener Rapper Oliver Ravn ordentlich auf Trab gebracht.

Oliver Ravn gab eine Probe seines Könnens, Freestyle: Aus fünf zufälligen Stichworten, die ihm die Schüler zuriefen, machte er einen Rap. Foto: Timo Battefeld

Apenrade/Aabenraa – Rückenschwimmen, Opel, Alltag, Frauen, Schokolade. Zufällige Wörter an einer Tafel. Besteht zwischen ihnen ein Zusammenhang? Nein!

Dieser wurde schließlich doch noch hergestellt, nachdem Rapper Ravn seinen kleinen grauen Zellen zehn Sekunden lang die Sporen gegeben hatte. Oliver Ravn, alias Rapper Ole Reim (Ole Omkvæd), brauchte nur einen Augenblick, dann aber kannte er kein Halten, rappte und reimte munter drauf los. Übers Schwimmen und Opel. Über Alltag, Frauen und Schokolade. Schüler im Jugendkurs des IBC, „Unge i Centrum“, hörten ihm dabei zu. Junge Leute, die aus vielerlei Gründen im Niemandsland zwischen Volksschule und Studium verharren. Einige von ihnen haben eine Ausbildung begonnen und sie dann abgebrochen. Andere wiederum sind noch nicht einmal so weit gekommen.

Auf diese Gruppe wurde Per Christiansen aufmerksam, als Kulturministerin Marianne Jelved (Rad.) für die landesweite Initiative „Dänemark liest“ Fördermittel bewilligte. Christiansen ist an den Apenrader Bibliotheken für Lernprozesse zuständig.  In Zusammenarbeit mit dem IBC bewarb er sich um eine Förderung, und das Vorhaben erhielt schließlich 255.000 Kronen von diesem „Lese-Konto“. Geld, das nun in verschiedene Initiativen investiert wird, die die Neugier an der dänischen Sprache von Schülern des Projekts „Unge i Centrum“ wecken sollen. Aufs Lesen. Aufs Schreiben.

 

Junge Leute in Aktion

 

Aus diesem Grund war Oliver Ravn am Mittwoch in Apenrade. Dort ging es nicht nur darum, ein wenig Farbe in den Schulalltag zu rappen, sondern die jungen Leute zu bewegen.

„Sie müssen ihre Angst vor dem Schreiben verlieren. Es ist unglaublich wichtig, dass man sich gut ausdrücken kann. Dass es keine verbotenen Gefühle gibt, dass man hier nichts falsch machen kann“, wie der Kopenhagener Rapper sagte, während die Schüler auf dem Weg zur Mittagspause an ihm vorbeigingen und  Oliver Ravn die Zettel mit den Reimen zusteckten, die sie zuvor erdacht hatten.

Die Arbeit mit diesen Zetteln sollte nach der Mittagspause weitergehen – und schließlich zu einem echten Rap werden – zu einem Song, der aufgenommen und anschließend auf YouTube veröffentlicht werden soll. Hoffentlich mit den jungen Leuten an vorderster Front. Rapper Ravn wird zwar dafür bezahlt, diesen Prozess zu steuern, ist jedoch durchaus bereit, in den Hintergrund zu treten. Nichts lieber als das.

 

Infobox

 

Dänemark liest

 

Das Projekt „Dänemark liest“ begann im Juni in Apenrade mit einem literarischen Orientierungslauf. Im September steht ein Besuch des Autors Robert Zola Christensen auf dem Programm, der gemeinsam mit den „Jungen Leuten im Zentrum“ Novellen schreiben wird.

Am 11. November inszenieren zwei Schauspieler Texte von Rune T. Kidde. Autor Steen Langstrup wird am 10. Dezember über seine SMS-Novelle „Julekalender for Voksne“ erzählen, deren Abschnitte die Schüler an jedem Tag im Dezember auf ihr Mobiltelefon bekommen.

Das Apenrader Projekt ist eines von insgesamt zwölf ausgewählten, die am Wettbewerb „Beste Lese-Kommune des Landes“ teilnehmen. Das Vorhaben zielt darauf ab, Ideen zur Nachahmung zu entwickeln.


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