Aus: Flensborg Avis

Alarm in Eigenregie

25.09.2014 | 16:17 |

Holger Johannsen

Ausfälle im Alarmnetz, ein instabiler Funkempfang bei Sturm und ein vorübergehender Zusammenbruch der Kommunikation: Der Kreis Schleswig-Flensburg ist unzufrieden mit der Firma, die das private Alarmsystem betreibt, das die Feuerwehren des Kreises nutzen. Gegenwärtig arbeiten der Kreis und die Feuerwehren an einem eigenen und zuverlässigeren Alarmsystem.

Die Freiwilligen Feuerwehren, vor allem im nördlichen Teil des Amtes, kritisieren die schlechten Funkbedingungen, die das Absetzen eines Notrufs verlangsamen. Das Foto zeigt eine gemeinsame Feuerlöschübung der Feuerwehren in Ellund und Fröslee. Foto: Povl Klavsen (Archivfoto)

Schleswig/Glücksburg. Es hat in jüngster Zeit  Vorfälle gegeben, bei denen die Feuerwehren und der Rettungsdienst im Kreis Schleswig-Flensburg von Glück sagen können, dass nichts Schlimmeres passiert ist!

„Im Mai hat unser Alarmnetz während eines kürzeren Zeitraums völlig versagt – und es hat eine ganze Weile gedauert, bis dies bemerkt worden ist“, verriet Kreiswehrführer Mark Rücker, der oberste Brandschützer des Kreises, auf der jüngsten Sitzung des Gesundheits- und Brandschutzausschusses des Kreises.

Während der beiden Orkane im vergangenen Herbst hatte die Feuerwehr mit technischen Problemen beim Empfang des Alarmsignals aus der Notrufzentrale zu kämpfen:

„Durch den starken Sturm sind die Parabolantennen in Freienwill beschädigt worden, von wo aus die Notrufe weitergeleitet werden. Daher war das Alarmsignal eine Zeitlang relativ instabil“, erläutert Ralf Feddersen von der Kreisabteilung für Brandschutz und Rettungsdienst.

Eines der Probleme bestand darin, dass sich die private Sicherheitsfirma „e*Message“ in Berlin, die für Steuerung des Alarmsystems des Kreises Schleswig-Flensburg verantwortlich zeichnet, einer zeitaufwändigen Methode bedient, um die Notrufe an die Retter und die Feuerwehren weiterzuleiten.

„Ein Notruf, der irgendwo im Kreis Schleswig-Flensburg abgesetzt wird, geht zunächst via ISDN-Verbindung an die Alarmzentrale der Firma in Berlin. Von dort aus kommt das Signal über Satellit zu unserer eigenen Notrufzentrale in Harrislee. Die Freiwillige Feuerwehr erhält auch von dort aus ihre Informationen über den bevorstehenden Einsatz“, sagt der Rettungsexperte des Kreises, Ralf Feddersen. Eine Vorgehensweise, so fügt er hinzu, die nicht besonders zeitgemäß sei.

Im Vorjahr habe es 80 Ausfälle im Notrufnetz gegeben, die meisten davon im nördlichen  Kreisgebiet. Vor allem im Bereich Glücksburg sind viele Fehlfunktionen und Funklöcher im Alarmnetz registriert worden. Auch die Ämter Kropp-Stapelholm, Schafflund und Südangeln sind davon betroffen gewesen. Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat der Kreis nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Möglichkeiten einer Rückführung des Notrufsystems in kommunale Regie prüft. Wenn die Verträge zwischen dem privaten Betreiber „e*Message“ und den insgesamt 191 Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Schleswig-Flensburg nach zehn Jahren 2016 auslaufen, muss das neue Konzept fertig sein – und dies wird vermutlich auf einem kommunal betriebenen Kommunikationsnetz basieren.

„Wir brauchen ein zuverlässiges und schnelles Notrufsystem. Gegenwärtig können bis zu 20 Minuten vergehen, bis Löschmannschaften und Rettungsdienst den Alarm empfangen. Das dauert viel zu lange“, betont der Brandkapitän des Kreises, Mark Rücker.

Rettungsexperte Ralf Feddersen möchte nicht ausschließen, dass sich der Betrieb des Notrufnetzes kostengünstiger gestaltet, sollte er wieder in die kommunale Regie übergehen. Das Notrufnetz kostet zwischen 300.000 und 400.000 Euro.

„Wir könnten in Kiel eine Investitionsförderung beantragen. Diese Mittel werden indes lediglich dann bewilligt, wenn das Notrufsystem in öffentlicher Regie ist“, wie Feddersen unterstreicht.


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