Aus: JydskeVestkysten

Im „Monsterofen“ trocknet alles schneller

09.10.2014 | 14:52 |

Connie Bøgwad Schmidt

Technologie: Am vergangenen Montag hat das Unternehmen „Dancoat“ erstmals seine neue Trocknungsanlage in Betrieb genommen – die größte ihrer Art in Europa. Ihre Inbetriebnahme kommt der Umwelt, den Kunden und dem Unternehmen zugute.

Der Ofen ist zwölf Meter tief, sechs Meter breit und sieben Meter hoch. Ungeachtet ihrer Größe ist die Anlage umweltschonend.

Die Oberflächen einiger Teile werden mit einer sogenannten Metallbeschichtung behandelt. Fotos: Poul F. Skøtt

Arnum. Aus der Ferne sieht die blanke Stahlkonstruktion in einer der großen Dancoat-Hallen in Arnum recht frostig aus. Der Ofen, dessen Fertigstellung ein Jahr gedauert hat, ähnelt einem überdimensionierten Kühlcontainer aus rostfreiem Stahl. Der Eindruck aber täuscht, wie man sehr schnell bemerkt, nähert man sich der Öffnung der großen Konstruktion. Die Restwärme der letzten Trocknung weckt Träume von Palmen und weißen Sandstränden, wovon es in Arnum allerdings nicht viele gibt. Im Gegenzug gibt es dort Trucks, Schweißgeräte und Farbspritzen im Überfluss. Damit werden Teile von Windkraftanlagen mit einer robusten und wetterbeständigen Oberfläche versehen. Zunächst bekommen sie eine Metallschicht; die gereinigten Teile werden zudem mit einer Farbschicht versehen. Zuvor wird ihre Oberfläche mit einem Sand- oder Stahlbläser bearbeitet. Bislang hat diese Vorgehensweise einen Trocknungsprozess erfordert, der bis zu fünf Tage dauerte. Durch den neuen Ofen des Arnumer Unternehmens kann die Zeit des Trocknens bzw. Härtens auf drei Stunden reduziert werden.

 

Umweltfreundlich

 

Der Ofen hat eine Tiefe von zwölf Metern, ist sechs Meter breit und sieben Meter hoch; erwärmt wird er durch sogenannte katalytische infrarote Strahlen, das heißt, er ist flammenlos und mindert den Energieverbrauch.

Die Technologie des Ofens komme der Umwelt gleich in mehrfacher Hinsicht zugute, wie Dancoat-Mitarbeiter Jesper Herlev Nielsen verrät, der sich in den vergangenen sechs Monaten mit der Funktionsweise der Anlage vertraut gemacht hat:

„Ein Großteil der giftigen Gase, die die Farbbeschichtung während des Trocknens abgibt, wird nun im Ofen verbrannt und verdampft nicht mehr in der Außenluft. Dies wiederum bedeutet, dass unsere sogenannte VOC-Quote (Volatile Organic Compounds = flüchtige organische Verbindungen) sinkt, was wiederum ganz unserer umweltfreundlichen Firmenpolitik entspricht.“

Durch die neue Anlage eröffnen sich weitere Möglichkeiten. So verfügt das Unternehmen nunmehr über eine höhere Kapazität, kann daher in Zukunft die Oberflächen mehrerer Teile zeitgleich behandeln. Das sei auch das Ziel, doch bei „Dancoat“ mache man einen Schritt nach dem anderen:

„Zunächst einmal geht es darum, den Ofen „einzustellen“ und die jetzige Produktion an die neuen Möglichkeiten anzupassen. Es ist zudem notwendig, neue Arbeitsschritte einzuführen, denn durch die neuen Möglichkeiten können wir Teile morgens malen, sie tagsüber trocknen und sie am Ende des Tages verpacken. Oder aber tagsüber malen und Oberflächen behandeln, die Teile schließlich am Ende des Tages in den Ofen schieben und sie am Tag darauf verpacken“, wie Jesper Herlev Nielsen erläutert. Er weiß es zu schätzen, dass der Hersteller der Anlage, Netek aus Hobro, während der Anfangsphase einen Mitarbeiter nach Arnum entsandt hat, der dabei hilft, den Ofen in Betrieb zu nehmen.

 

Infobox

 

Der größte Ofen seiner Art in Europa

Das Arnumer Unternehmen „Dancoat“ befasst sich mit der Oberflächenbehandlung von Teilen für die Windkraftindustrie. Die Firma beschäftigt 40 Mitarbeiter sowie acht weitere in der Niederlassung in Spandet sowie vier in Esbjerg. Sie kann sich rühmen, in Besitz der größten Trocknungsanlage in Europa zu sein. Diese misst zwölf mal sieben mal sechs Meter. Früher hat es bis zu 120 Stunden gedauert, die behandelten Oberflächen zu trocknen und zu härten; mithilfe des neuen Ofens ist die Trocknungszeit auf drei Stunden reduziert worden. Durch die neue Technologie wird der Trocknungsprozess zugleich wesentlich umweltfreundlicher.


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