Aus: Der Nordschleswiger

Elegant gewandet durch die Zeit

23.10.2014 | 12:45 |

Ute Levisen

Zeitreise im Stadtmuseum durch die Welt der Mode: Wahl-Glücksburgerin stellt historisch inspirierte Trachten – auch in Vorträgen – vor

Marion Gaussmann, die sich ebenfalls für das Stadtmuseum engagiert, Anne Lössl und Museumsleiterin Anneli Bork präsentieren die Kreation nach historischem Vorbild im Innenhof des Stadtmuseums Ehlers-Sammlung. Foto: Ute Levisen

Hadersleben/Haderslev Redet sich Anne Lössl erst einmal warm, ist sie nicht mehr zu stoppen! Die gebürtige Haderslebenerin und Wahl-Glücksburgerin hat ein ganz besonderes Hobby: Historisch detailgenau entwirft sie Kleiderprachten aus verschiedenen Epochen, vom Tudor- bis zum Empirestil.

400 Jahre umfasst das Spektrum ihrer spektakulären Kostüme, über die sie in thematischen Vorträgen in Verbindung mit einer Ausstellung ihrer Kleider im nächsten halben Jahr im Haderslebener Stadtmuseum Vorträge halten und somit Besucher an ihrem  unerschöpflich scheinenden Wissen teilhaben lassen wird. Am 3. Oktober um 14 Uhr eröffnen Museumsleiterin Anneli Bork und Anne Lössl die Ausstellung, die bis zum 31. März zu sehen sein wird. Anhand ihrer atemberaubenden Gewänder erzählt Lössl von den vielen Seiten der Mode im Wandel der Zeit. Ihre Leidenschaft dafür entdeckte sie, als sie vor nunmehr 14 Jahren nach Glücksburg zog und im dortigen Schloss als Museumswächterin arbeitete: „Die Tätigkeit an sich war eigentlich eher langweilig, umso mehr Zeit hatte ich, mich mit Geschichte vertraut zu machen“, erzählt Anne Lössl.

Ihr erstes selbst entworfenes und genähtes Kleid war im Empire-Look gehalten; es folgten mittelalterliche Trachten. Schließlich wagte sie sich an den Tudorstil (ca. 1530), eine vielschichtige Angelegenheit – mit Korsett, Reifrock, Unter-, Oberkleid und federgeschmücktem Barett fürs Haupt. Etwa ein halbes Jahr näht Anne Lössl – zumeist in aufwendiger Handarbeit – an einem Kostüm. Lediglich an den „unsichtbaren“ Stellen schummele sie – und setze sich auch schon mal an die Nähmaschine, wie sie lächelnd gesteht. Gefühlt fast genauso lange dauert es, bis sie sich in die modischen Silhouetten der vergangenen Jahrhunderte zwänge,  und ja, es habe sie durchaus gegeben, jene Momente der Verzweiflung, in denen der buchstäbliche Ausweg aus der Kleiderenge die Schere schien. Zu derlei einschneidenden Maßnahmen ist es bislang dennoch nicht gekommen. Aber: Wer schön sein will, der muss leiden – damals wie heute. 

 

Infobox

Mode-Pracht aus 400 Jahren

Über die  Welt der Mode der vergangenen 400 Jahre, über modische Zwänge und Finessen, wird Anne Lössl in sechs Vorträgen berichten – jeweils am ersten Sonntag im Monat.

Die Ausstellung von elf Kleidern ist vom 3. Oktober bis 31. März 2015 zu sehen.


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