Aus: JydskeVestkysten

MIK ist Männersache

20.11.2014 | 14:15 |

Tilla Rebsdorf

16 junge Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren möchten mithilfe von Führungspersönlichkeiten wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Göran Neumann und Florian Schröder leiten das Bequa-Projekt MIK. Foto: Martina Metzger

Flensburg – In diesen Männlich-Weiblich-Zeiten sind Teams, die ausschließlich aus jungen Männern bestehen, eher die Ausnahme. So aber soll es sein, weil es so am besten ist: Diese Auffassung vertreten die beiden Leiter des Bequa-Beschäftigungsprojektes MIK, Göran Neumann und Florian Schröder. Und die Teilnehmer sind derselben Auffassung.

 

16 junge Männer

 

Wir sind in der großen Halle in der Flensburger Neustadt an der Stiftstraße. Dort ist das Bequa-Beschäftigungsprojekt MIK angesiedelt. Und dort, zwischen Tischen, Maschinen und diversen Gegenständen, treffen wir 16 junge Männer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die sich damit einverstanden erklärt haben, an einem Projekt mitzuwirken, dessen Ziel es ist, den Teilnehmern den Glauben an eigene Stärken zurückzugeben. Und daran, dass sie eine Zukunft im handwerklichen Bereich haben. Es sieht nicht nur so aus, es hört sich auch an wie eine Werkstatt – oder genauer gesagt, wie eine Baustelle: Obwohl in der Halle viel miteinander geredet wird, geht es auch darum, etwas zu bewerkstelligen.

„Es ist von Vorteil, dass wir nur Männer sind. Hier herrscht ein anderer Ton“, sagen zwei der Projektteilnehmer, der 33-jährige René Witt und Roman Walter (27). Sie haben sich damit einverstanden erklärt, mit der Zeitung zu sprechen, während die anderen dabei sind, Gipswände aufzustellen, was wiederum nicht geräuschlos über die Bühne geht.

Einmal hatten die beiden alles, was man sich nur wünschen kann: Arbeit, Wohnung, Auto, Freundin. Aus unterschiedlichen Gründen haben sie all dies eingebüßt. Jetzt fangen sie von vorn an – oder fast zumindest, denn ihre handwerklichen Fertigkeiten, die sind ihnen geblieben.

„Ich empfinde es so, als werde ich hier mental aufgebaut. Ich möchte gern wieder neue Menschen kennenlernen, einer geregelten Arbeit nachgehen und über eigenes Geld verfügen“, wie René Witt es ausdrückt.

Er ist gelernter Maler und Lackierer. Ein Überfall auf offener Straße hatte ihm nicht nur körperlich, sondern auch psychisch arg zu schaffen gemacht. Davon erholte er sich nie, versteckte sich in den eigenen vier Wänden – und so zerrann sein Alltag im Nichts. Das alles ist jetzt anderthalb Jahre her. Seit René Witt bei MIK ist, ist der junge Mann nicht einen einzigen Tag krank gewesen.

„Ich habe gelernt aufzustehen und um acht Uhr morgens hier zu sein“, sagt er, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. Früher sei dies eine Selbstverständlichkeit gewesen.

 

Ein blauer Brief

 

Es gibt mannigfaltige Gründe dafür, dass diese jungen Männer den Boden unter den Füßen verloren haben: Missbrauch, psychische Probleme, unglückliche Liebe und nicht zuletzt, der blaue Brief, der mit Beginn der Wirtschaftsflaute großzügig an Handwerker geschickt worden ist.

Dies sind nur einige der persönlichen Geschichten, die die jungen Leute mit sich herumtragen. Roman Walter hat einst als Zimmerer in einer Fensterfirma gearbeitet. Der alte Chef verkaufte das Geschäft an einen neuen – doch die Aufträge blieben aus. Walter wurde entlassen.

„Das wird schon wieder!“, dachte dieser damals noch zuversichtlich. Er ging Klinken putzen. Vergeblich. Also wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. Das ging gar nicht. Seine Ersparnisse waren schnell aufgebraucht, während der Schuldenberg wuchs. Von da an sei es bergab gegangen, erinnert sich Roman Walter. Inzwischen ist er wieder obenauf.

Im Projekt MIK sind Konfliktlösungen und Selbstreflexion Schwerpunkte der Diskussionen. Körperliches Training steht ebenso auf der Tagesordnung wie Gruppenarbeit – und Vertrauen. Doch auch die handwerklichen Fertigkeiten, die allzu lange brach lagen, werden „poliert“.

„Fehlt etwas, besteht die Möglichkeit einer handwerklichen Fortbildung“, sagt Göran Neumann. Auch in diesem Bereich habe es eine gewisse Fluktuation gegeben, entweder weil einige Teilnehmer nicht in das Konzept passten oder aus anderen Gründen, doch die Warteliste ist lang; neue Leute traten an ihre Stelle.

„Das hier, das bringt uns weiter. Kommt in neun Monaten wieder! Dann werden wir bestimmt nicht mehr hier sein, sondern einer richtigen Arbeit nachgehen!“ – Davon sind René Witt und Roman Walter überzeugt. Und schon sind sie auch wieder bei ihren Gipsplatten.


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