Aus: JydskeVestkysten

Ein nordschleswigsches Schicksal zur besten Sendezeit

11.12.2014 | 09:42 |

Inge Rogat

Dokumentarfilm: Jonas Thygesen aus Ösby bei Hadersleben wird in einem DR-Dokumentarfilm, der am 14. Dezember ausgestrahlt wird, von seinem Urgroßvater erzählen, der während des Ersten Weltkrieges auf deutscher Seite kämpfen musste.

Jonas Thygesen hat sich stets für Geschichte interessiert. Bezugnehmend auf das Buch, das er über die Kriegserlebnisse seines Urgroßvaters Thyge Thygesen während des Ersten Weltkriegs geschrieben hat, hielt er bereits zahlreiche Vorträge. Nun wirkt er in dem neuen DR-Dokumentarfilm über den Ersten Weltkrieg und Dänemark mit. Foto: Søren Gylling

Jonas Thygesen freut sich. Sehr sogar. Auf Sonntag, 14. Dezember. Zur besten Sendezeit werden die dänischen Fernsehzuschauer auf DR1 in dem Dokumentarfilm „Guld, Konge og Fædreland“ mit seinem Urgroßvater Thyge Thygesen Bekanntschaft schließen: Er war einer von mehr als 30.000 Nordschleswigern, die in deutscher Uniform in den Krieg ziehen mussten – in die Schützengräben an der West- und an der Ostfront.

Thyge Thygesen überlebte. Fast 100 Jahre später erzählt sein Ur-Enkel aus Ösby bei Hadersleben seine Geschichte, die Geschichte eines jungen Nordschleswigers aus Stepping, der ungeachtet seiner dänischen Gesinnung in den Krieg ziehen musste, um für ein Land zu kämpfen, das nicht das seine war. Doch Nordschleswig war damals deutsch. Thyge Thygesen hatte somit keine Wahl: Er musste kämpfen!

Thyge Thygesen hatte Glück. Er überlebte.

„Seine Kriegserlebnisse aber wurden seine ständigen Begleiter. Den Rest seines Lebens quälten ihn Albträume“, erzählt Jonas Thygesen.

Er hat 2008 das Buch „Kun legetøj i deres hænder“ (Nur Spielzeug in ihren Händen) herausgegeben, das basierend auf dem Kriegstagebuch seines Urgroßvaters und seiner Feldpostbriefe an Familie und Freunde in Nordschleswig entstanden ist.

Thyge Thygesens Geschichte war dramatisch. Als 22-Jähriger muss er in den Krieg ziehen, wo er in der Hölle von Verdun kämpfte. Eine Viertelmillion Menschen kam dort auf dem Schlachtfeld um. Nach der Schlacht an der Somme, an der Thygesen ebenfalls teilnahm, war es die blutigste aller Schlachten des Ersten Weltkrieges.

Für Thyge Thygesen hätte der Krieg im Jahr 1916 an der Somme beendet sein können. Im Alter von 24 Jahren wurde er am 29. September während eines Gefechts lebendig begraben. Sein Leben verdankte er einem Soldatenkameraden, dieser aber ging davon aus, dass Thyge Thygesen nicht überlebt hatte und sandte eine entsprechende Nachricht an dessen Eltern, daheim in Stepping. Mit einer Anzeige in der Zeitung gaben die Eltern bekannt, ihr Sohn sei in Frankreich gefallen. Erst am 18. Oktober erreichte sie Thyges Brief, worin dieser seinen Eltern mitteilte, dass er am Leben, doch im Lazarett sei.

„Die Erlebnisse meines Urgroßvaters stimmen in vielem mit dem überein, was viele andere nordschleswigsche Kriegsteilnehmer erlebten – ein Umstand, der es wert ist, eingehend beleuchtet zu werden“, sagt Jonas Thygesen.

Bereits vor zwei Jahren hatte ihn Anna von Lowzow von „Nordisk Film“ über das „Genforenings- og Grænsemuseet“ bei Christiansfeld kontaktiert. Sie hat den Dokumentarfilm gemeinsam mit Lene Borch Hansen gedreht. Jonas Thygesen hat den beiden Frauen bei Bildern, Texten und der Auswahl von Zitaten geholfen. Im Sommer ist Jonas Thygesen vor dem Hof seines Urgroßvaters in Stepping gefilmt worden.

„Ich habe einiges zu dem Film beitragen können. Für mich war es ein spannendes Erlebnis, dabei sein zu dürfen. Der Film hat einen passenden  Winkel – durchaus angemessen anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns im Jahr 2014. Bislang ist der Erste Weltkrieg ja von 1864 übertönt worden. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte meines Urgroßvaters, wobei es zugleich die Geschichte der bedauernswerten nordschleswigschen Soldaten ist, die gezwungen worden sind, in den Krieg zu ziehen“, betont Jonas Thygesen.

 

Gold, König und Vaterland

 

– Ein Dokumentarfilm von Anna von Lowzow und Lene Borch Hansen – 

 

Der Film erzählt von Dänen im Ersten Weltkrieg – in Nordschleswig, das sich im Krieg befand – und vom neutralen Dänemark.

Neben Jonas Thygesen, der von seinem Urgroßvater erzählt, wirken Kronprinz Frederik und Prinz Joachim mit, die ihrerseits von ihrem Ur-Großvater, König Christian X., erzählen, sowie die frühere sozialdemokratische Ministerin Birte Weiss, die über ihre Verwandte Emma Gad berichtet. Eli Fredskilde, die Tochter von Johanne Braren äußert sich ebenfalls. Johanne ist das kleine Mädchen, das während des Grenzritts 1920 auf das Pferd des Königs gesetzt wurde. Auch Simon Plum, Nachfolger des Gulasch-Barons Harald Plum, kommt zu Wort. Der Dokumentarfilm ist vom Nordea-Fonden, vom Toosbuys-Fonden, Brebølfonden, Lauritzen Fonden und Fabrikant Mads Clausens Fond gefördert worden. Der Beitrag wird am Sonntag, 14. Dezember, um 20 Uhr auf DR1 ausgestrahlt.


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