Aus: JydskeVestkysten

Ein langer Kampf: Stella und Pandora kamen gemeinsam ans Ziel

27.11.2014 | 10:16 |

Bente Staugaard

Geschafft! Die zwölfjährige Stella Meier Schmidt hat beharrlich darum gerungen, mit ihrem Pony wieder an Wettkämpfen teilnehmen zu können.

Am Sonntag war es soweit.

Der erste Wettkampf nach der langen Zwangspause brachte Stella und Pandora den zweiten Platz ein. Fotos: Hans Christian Gabelgaard

Rothenkrug/Rødekro –  Tante Lone drückt ihr ganz fest die Daumen; Cousine Malene knipst unterdessen Fotos wie verrückt. In der „Reiterstube“ sitzen die Großeltern und der große Bruder Jesper. Mutter Lene steht am Ende der Reitbahn und verfolgt ihre Tochter Stella und deren Pony Pandora mit gespannten Blicken. Die beiden haben soeben das Programm im LC1-Dressurreiten absolviert. Von der Bahn dringt donnernder Applaus zu den Zuschauern hinüber: Viele von ihnen wissen, dass Stella und Pandora wirklich ihr Bestes gegeben haben, um überhaupt so weit zu kommen. Tante Lone ist ganz gerührt, als sie Stellas erleichtertes Lächeln sieht, und verstohlen wischen sich Mutter und Tochter am anderen Ende der Reitbahn Tränen aus den Augen, als Stella hinausreitet, um ihr Pony „abzukühlen“.

„Ich war extrem nervös: Ist es doch der erste Wettkampf nach Pandoras langer Auszeit gewesen. Ich habe aber so getan, als handelte es sich lediglich um ein Training“, erzählt Stella, die immer noch mit rankem Rücken, in eine schwarze Reitjacke und weiße Reithose gekleidet, auf ihrem Pony sitzt. Ihr blondes Haar hat sie zu einem Dutt aufgesteckt, der mit einem Silberband verziert ist. Stella ist sich darüber im Klaren, dass sich ihre Nervosität auf Pandora übertragen würde, ließe sie sich auch nur das Geringste anmerken.

 

Gebrochen

 

Im April des Vorjahres bemerkte Stella Blut am rechten Hinterbein ihres Ponys. Wie sich herausstellte, war das Griffelbein des Tieres gebrochen, vermutlich weil es von einem anderen Pferd getreten worden war.

„Ein halbes Jahr lang stand das Pferd in einer Krankenbox im „Sydjysk Rideklub“. Dann durfte Stella langsam damit anfangen, Pandora im Schritttempo zu reiten, aber nur auf der Straße“, erinnert sich Stellas Mutter, Lene Meier Schmidt.

„Drei- bis viermal wöchentlich hat sie das gemacht, ohne dass sich etwas änderte. Im Juni dieses Jahres offenbarte ihr der Tierarzt, dass sie womöglich nie wieder auf Pandora würde reiten können. Wir haben Pandora in einem Pferdehospital auf Herz und Nieren testen lassen. Sie wurde gescannt, geröntgt und gründlich untersucht. Uns wurde gesagt, dass eine Operation eine Möglichkeit sei – intensives Wiederaufbautraining eine andere. Stella hat sich für das Training entschieden. Seit einem halben Jahr trainiert sie jeden Tag mit Pandora  – und es hat sich gelohnt! Sie hat wirklich hart gekämpft, darum ist heute ein großer Tag für sie. Es ist das erste Mal seit Pandoras Erlahmung, dass sie wieder an einem Wettkampf teilnimmt“, erläutert Lene Meier Schmidt, die ihre Tochter jeden Tag zur Reitschule gefahren hat.

 

Der zweite Platz

 

Inzwischen hat auch der letzte Reiter sein Programm absolviert –  die Richter haben ihr Urteil gefällt. Einer der anderen Reiter verrät, dass Stella 70,50 Punkte bekommen hat. Aus Lenes und Stellas Reaktion lässt sich ableiten, dass es ein richtig gutes Ergebnis ist. Stellas und Pandoras Platzierung bekommen die Zuschauer erst später zu wissen, als alle Reiter zur Prämienvergabe antreten. Die beiden unverzagten Freunde belegen den zweiten Platz – und Pandora wird eine kleidsame Preisschleife an das Kopfzeug geheftet. Ohnehin ist Pandora an diesem denkwürdigen Tag ein festlicher Anblick. Eine Freundin hat mit einem Trimmer ein großes P für Pandora auf die eine Hinterhand getrimmt – und ein Herz auf die andere. Das Ganze ist mit Silberspray verziert worden. Pandora hat Silberfäden im Schweif und eine geflochtene Mähne noch dazu. Das Comeback des 15-jährigen Ponys erfolgte mit Manier.

„Das nächste Mal werde ich wohl nicht mehr derart nervös sein. Jetzt haben wir das Schlimmste hinter uns – und alles ist gut gegangen“, sagt Stella zuversichtlich und strahlt angesichts ihres Erfolges über das ganze Gesicht.

Lange hat sie befürchten müssen, Pandora nie wieder reiten zu können. Dass ihr geliebtes Pferd eingeschläfert werden muss – das sei dennoch nie eine Option gewesen:

„Glücklicherweise haben uns die Leute, von denen wir Pandora gekauft haben, versprochen, dass wir sie bei ihnen unterstellen könnten und ich sie so oft ich wolle besuchen könne“, erzählt Stella, die sich sehr darüber freut, dass sie das Angebot nicht anzunehmen brauchte. Stattdessen kann sie sich auf viele weitere Wettkämpfe mit ihrem Pferd freuen.

 

Verletzliche Pferdebeine

 

Pferde haben an jedem Bein, sowohl am Vorder- als auch am Hinterbein – zwei Griffelbeine, die dem Röhrbein (Mittelhand- bzw. Mittelfußknochen des 3. Fingerstrahls) seitlich ansitzen. Ein Bruch des Griffelbeins ist nichts Ungewöhnliches und wird in der Regel durch Schläge oder Tritte verursacht.

 

Stella Meier Schmidt

 

Stella ist zwölf Jahre und wohnt in Apenrade. Sie besucht die 6. Klasse der Kongehøjskolen. Pandora bekam sie vor vier Jahren.

 

Pandora

Pandora ist 15 Jahre. Es ist ein A-Pony, das größte der Pony-Typen. Ihr voller Name lautet Pandora de Luze.


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