Aus: sh:z-Tageszeitungen

Der Künstler und sein Dank an den Wald

27.11.2014 | 10:10 |

Ursel Köhler

Jens Meyer schafft mit der Kettensäge Skulpturen aus Baumstämmen. „Das ist wie Meditation und macht mir den Kopf frei“

Künstler, Eule und Bär: Jens Meyer schafft Skulpturen aus Holz. Dank an den Wald: Der Waldschrat, in einem Baum gesägt, den Orkan Christian abgeknickt hatte. Fotos: Ursel Köhler

STEINBERGKIRCHE. Wenn Jens Meyer zur Kettensäge greift, dann keineswegs nur, um für den Kaminofen Holz zu machen. Ihm geht es darum, das was er in Baumstämmen sieht, mit dem sonst so groben Gerät in eine Form zu bringen. Längst hat sich der 47-Jährige aus Steinbergkirche den Ruf als Kettensägenkünstler aus Leidenschaft erworben. Ob Tische oder Stühle, Waldschrat, Eule, Bär oder anderes Getier – die Kreativität des Mannes mit dem „Baumblick“ ist groß.

„Holz ist mein Ding“, erzählt der gelernte Tischler, der in Moers geboren und in Flensburg aufgewachsen ist. Als Geselle machte er sich seinerzeit auf die übliche Wanderschaft für drei Jahre und einen Tag, war nicht nur in vielen europäischen Ländern, sondern auch in Australien und Neuseeland Es folgten der Zivildienst und weitere fünf Jahre Wanderschaft, vor allem in der Schweiz. Seit 2000 ist Jens Meyer sozialpädagogischer Assistent im dänischen Freizeitheim in Flensburg-Engelsby. Mit seiner Frau Ute lebt er in einem Holzhaus in Steinbergkirche.

Es ist die „lebendige Schönheit“ des Holzes, die ihn schon immer fasziniert hat. Wann immer es seine Zeit erlaubt, beschäftigt er sich mit dem geliebten Material. In Absprache mit dem jeweiligen Förster fällen er und seine Freunde im Rahmen der Waldpflege Bäume. Manchmal sieht er, dass sich in den Stämmen etwas verbirgt – diese Bäumen dürfen weder zersägt noch zerhackt werden. Ein besonderer Glücksfall war für ihn ein 17 Meter langer Eichenstamm mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern – aus dem ließ sich viel machen. Auch der Orkan Christian hatte für ihn einen positiven Aspekt – der bescherte ihm an der Nordstraße reihenweise geknickte Linden für sein Holzlager.

Meyers künstlerisches Handwerkzeug ist die Kettensäge – drei besitzt er, eine vierte braucht er noch – mit unterschiedlichen Schwertern für feine und grobe Arbeiten. Aber auch wenn er im Umgang mit der Säge ein Meister ist, verzichtet er nie auf die entsprechende Schutzkleidung.

Aus einem Baumstamm eine Skulptur herauszuarbeiten, ist eigentlich ganz einfach, sagt Jens Meyer: „Man muss nur das wegsägen, was nicht da sein soll.“ Das aber ist schwieriger als es sich anhört. Es braucht schon eine Menge handwerkliches Geschick, gepaart mit einer künstlerischen Ader. Die groben Säge-Arbeiten erledigt er noch im Wald, den Feinschliff erhält die Skulptur daheim. Da kommt es dem Kettensägenkünstler zugute, dass er in der Schweiz das Drechseln gelernt hat.

Meyers nächstes Projekt ist ein Wettbewerb: In einem Internetportal, in dem sich 1800 Kettensägenkünstler aus aller Welt tummeln, wurde das Thema Wasser gestellt. Jens Meyer schwebt als Wettbewerbsbeitrag ein Schweinswal oder eine Robbe vor. Entsprechende Zeichnungen hat er bereits fertig – nun geht es darum, die Idee in Holz umzusetzen. Bis zum 23. November muss er fertig sein und ein Foto seiner Arbeit ins Netz gestellt haben. Er freut sich auf die Arbeit: „Nur ich, die Kettensäge und ein Baumstamm. Das ist wie Meditation und macht mir den Kopf frei.“

Als vor einem Jahr im Steinberghaffer Wald Orkan Christian Bäume umknickte, war darunter auch eine Buche – nur noch der Stumpf ragte aus dem Boden. Jens Meyer kam mit der Kettensäge und schuf den „Waldschrat“. Diese Skulptur ist für den Mann aus Steinbergkirche der Dank an den Wald: „Wer nimmt, muss auch etwas zurückgeben“, sagt er. Dass seine Kunst nicht für die Ewigkeit ist, stört ihn nicht, es bilden sich Risse im Holz, die Witterung verändert es und lässt es schließlich sogar vermodern. „Alles ist vergänglich“, sagt der Künstler.


Seite drucken